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Was macht ein Treuhänder und was kannst du als KMU selbst machen?

Geschrieben von KLARA | 09.09.2026, 08:10:00

Ob du als Schweizer KMU einen Treuhänder brauchst, hängt von der einzelnen Aufgabe ab. Rechnungen erstellen, Belege sammeln oder Zahlungen kontrollieren kannst du in der Regel selbst übernehmen. Bei der laufenden Buchhaltung, der Lohnabrechnung oder der MWST-Abrechnung arbeiten viele KMU zusammen mit ihrem Treuhandbüro: Sie erfassen selbst, das Treuhandbüro kontrolliert und ergänzt. Jahresabschluss, Steuerdeklarationen und komplexere steuerliche oder betriebswirtschaftliche Fragen gehören dagegen meist in die Hände einer Fachperson.

Dieser Artikel zeigt dir, wie du diese Aufteilung für dein Unternehmen konkret vornimmst.

Was macht ein Treuhänder für ein KMU? 

Ein Treuhandbüro übernimmt für Schweizer KMU typischerweise die Buchhaltung, die Lohnabrechnung, die MWST-Abrechnung, den Jahresabschluss sowie die Steuererklärung. Viele Büros beraten zusätzlich bei Gründung, Rechtsformwahl, Nachfolge oder betriebswirtschaftlichen Fragen.

Wie viel davon ein einzelnes Treuhandbüro übernimmt, ist Verhandlungssache. Manche Mandate laufen vollständig über das Treuhandbüro, andere beschränken sich auf Jahresabschluss und Steuererklärung, während das Unternehmen die laufende Erfassung selbst macht. Beides ist üblich.

Braucht jedes KMU einen Treuhänder?

Nein. In der Schweiz gibt es keine allgemeine gesetzliche Pflicht, ein Treuhandbüro zu beauftragen. Diese Entscheidung triffst du unabhängig von einer anderen, oft damit verwechselten Frage: der gesetzlichen Buchführungspflicht.

Einzelunternehmen und Personengesellschaften unterliegen ab einem Umsatzerlös von CHF 500'000 im letzten Geschäftsjahr der ordentlichen Buchführung nach Art. 957 ff. OR. Darunter genügt eine vereinfachte Aufstellung von Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage. Juristische Personen wie AG und GmbH sind unabhängig vom Umsatz zur Buchführung und Rechnungslegung nach Art. 957 ff. OR verpflichtet (kmu.admin.ch).

Diese Pflicht sagt nichts darüber aus, ob du sie mit oder ohne Treuhandbüro erfüllst. Auch ein Unternehmen ohne erhöhte Buchführungsanforderungen profitiert oft von einer Zusammenarbeit, sobald mehrere Mitarbeitende, eine MWST-Pflicht oder komplexere Geschäftsfälle dazukommen. Am Ende ist es eine Abwägung zwischen Zeitaufwand, vorhandenem Fachwissen und Risiko.

Welche Aufgaben kannst du als KMU selbst übernehmen?

Ein relevanter Teil der laufenden Administration lässt sich mit klaren Prozessen und passender Software gut selbst erledigen. Dazu gehören:

  • Rechnungen erstellen und versenden
  • Belege sammeln und digitalisieren
  • laufende Belege erfassen beziehungsweise vorkontieren
  • Zahlungseingänge und Zahlungen kontrollieren
  • Debitorenmanagement und Mahnwesen
  • Stammdaten von Kundschaft und Lieferanten pflegen
  • Arbeitszeiten und Abwesenheiten erfassen
  • vorbereitende Arbeiten für Lohn und Buchhaltung

Am besten eignen sich dafür überschaubare, wiederkehrende Geschäftsfälle, klare Prozesse und eine Software, die Belege und Buchungen strukturiert erfasst. Sobald mehrere Gesellschaften, internationale Sachverhalte oder spezielle Bewertungsfragen dazukommen, lohnt sich eine engere Begleitung durch das Treuhandbüro, unabhängig von der gesetzlichen Buchführungspflicht.

Wenn du deine Buchhaltung selbst machen willst, lohnt sich vorab ein Blick auf passende Buchhaltungssoftware für dein KMU: Sie entscheidet mit, wie viel du realistisch selbst übernehmen kannst.

Aufgaben, die KMU und Treuhänder gemeinsam erledigen

Zusammenarbeit heisst nicht, dass das Treuhandbüro automatisch alles übernimmt. In vielen Mandaten teilen sich KMU und Treuhandbüro dieselbe Aufgabe auf: Das Unternehmen erledigt den laufenden, operativen Teil, das Treuhandbüro prüft, korrigiert und übernimmt die anspruchsvolleren Schritte.

Typische Beispiele:

Laufende Buchhaltung. Du erfasst Rechnungen und Belege, das Treuhandbüro kontrolliert die Kontierung und greift bei ungewöhnlichen Geschäftsfällen ein.

Abstimmungen und Kontrollen. Du gleichst Bank und Kasse laufend ab, das Treuhandbüro prüft die Abstimmung periodisch und korrigiert bei Bedarf.

MWST-Abrechnung. Du lieferst die erfassten Zahlen, das Treuhandbüro prüft die Abrechnung vor der Einreichung und klärt Grenzfälle. Für die meisten Unternehmen liegt die massgebende Umsatzgrenze für die obligatorische MWST-Pflicht bei CHF 100'000 Umsatz aus Leistungen im In- und Ausland, die nicht von der Steuer ausgenommen sind (ESTV). Details dazu findest du im Artikel Deine MWST im Griff: Leitfaden für Schweizer KMU.

Lohnbuchhaltung. Du erfasst Arbeitszeiten, Absenzen und Stammdaten der Mitarbeitenden, das Treuhandbüro übernimmt Spezialfälle wie Quellensteuer, Sozialversicherungsabrechnungen oder Lohnänderungen während des Jahres. Auch bei den Jahreslohnmeldungen lohnt sich oft eine gemeinsame Kontrolle vor der Übermittlung.

Monats- oder Quartalsabschlüsse. Du lieferst die laufenden Zahlen, das Treuhandbüro erstellt daraus eine Auswertung, die dir zeigt, wo dein Unternehmen finanziell steht.

Vorbereitung des Jahresabschlusses. Du bereitest Belege und Unterlagen strukturiert vor, das Treuhandbüro erstellt daraus den Abschluss. Eine Checkliste für den Jahresabschluss hilft, nichts zu vergessen.

Controlling und Auswertungen. Du stellst die Grunddaten bereit, das Treuhandbüro liefert die betriebswirtschaftliche Einordnung.

Wie stark diese Aufteilung ausfällt, ist von Mandat zu Mandat verschieden. Entscheidend ist, dass beide Seiten auf denselben, aktuellen Zahlen arbeiten. Stellst du Unterlagen manuell zusammen und verschickst sie per E-Mail, entstehen Verzögerungen und Doppelspurigkeiten.

Aufgaben, bei denen sich professionelle Unterstützung besonders lohnt

Bei einigen Aufgaben ist spezialisiertes Fachwissen besonders wichtig. Dazu gehören insbesondere:

  • der Jahresabschluss, vor allem bei grösseren oder komplexeren Zahlen
  • die Steuererklärung und komplexere Steuerfragen
  • Gründung und Rechtsformwechsel
  • anspruchsvolle MWST-Fragen, etwa bei internationalen Leistungen
  • Lohn- und Sozialversicherungsspezialfälle
  • Umstrukturierungen
  • Nachfolgeregelungen
  • betriebswirtschaftliche Beratung zu Liquidität, Investitionen oder Wachstum

Bei Rechtsformwechseln, Umstrukturierungen oder komplexeren steuerlichen Sachverhalten empfiehlt sich frühzeitig fachliche Unterstützung. Eine frühzeitige Abklärung kann hier helfen, Fehler und spätere Korrekturen zu vermeiden. Einen vertieften Einblick in diese Abwägung speziell für die Gründungsphase gibt der Artikel Buchhaltung im Start-up: Selber machen oder delegieren?.

Wie entscheidest du, was du selbst machst?

Eine einfache Entscheidungslogik hilft, die passende Aufteilung für dein Unternehmen zu finden. Stelle dir dazu folgende Fragen:

Frage Spricht für mehr Eigenleistung Spricht für mehr Zusammenarbeit oder Treuhänder
Wie komplex ist deine Buchhaltung?  wenige, wiederkehrende Geschäftsfälle  mehrere Gesellschaften, Sonderfälle 
Wie viele Mitarbeitende hast du?  keine oder wenige  mehrere, mit unterschiedlichen Anstellungsformen 
Bist du MWST-pflichtig?  nein, oder einfache Inlandsfälle  ja, insbesondere mit Auslandsbezug 
Gibt es internationale Sachverhalte?  nein  ja
Hast du intern genügend Fachwissen?  ja  eher nicht 
Wie viel Zeit kostet dich die Administration?  wenig, gut planbar  viel, geht zulasten des Kerngeschäfts 
Wie hoch ist das Risiko eines Fehlers?  gering  hoch, etwa bei Steuern oder Lohn 
Willst du die Zahlen laufend selbst im Blick haben?  ja   nein, du delegierst lieber vollständig 


Zeitersparnis ist nur ein Faktor unter mehreren. Genauso wichtig sind Verantwortlichkeit, Datenqualität, Kontrolle über die eigenen Zahlen, vorhandenes Fachwissen und wie aktuell du deine Zahlen laufend brauchst.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen KMU und Treuhänder in der Praxis?

In der Praxis bewährt sich meist ein Modell, bei dem beide Seiten auf derselben, aktuellen Datengrundlage arbeiten, statt Unterlagen einzeln zusammenzustellen und zu verschicken.

Mit KLARA kannst du deinem Treuhandbüro Zugriff auf deine Buchhaltung beziehungsweise dein Mandat geben. Es sieht damit deine laufend erfassten Daten direkt, statt sie separat anzufordern, und kann dort unterstützen, wo Fachwissen gefragt ist, etwa bei Kontrollen, dem Jahresabschluss oder der Steuerdeklaration.

Welches Modell für dein Mandat passt, entscheidest du gemeinsam mit deinem Treuhandbüro. Bist du selbst Treuhänder oder Treuhänderin und willst wissen, welche konkreten Funktionen KLARA für die Mandatsarbeit bietet: Der Artikel KLARA für Treuhänder: Funktionen und Möglichkeiten im Überblick geht darauf im Detail ein.

Wo die Aufgabenteilung an Grenzen stösst

Manche Unternehmen haben weder Zeit noch Interesse, einen Teil der Administration selbst zu übernehmen, und geben lieber alles ab. Andere arbeiten in einer Branche mit besonders komplexen Buchungssachverhalten, bei der eine engmaschige Begleitung durch das Treuhandbüro von Anfang an sinnvoller ist als ein Selbstbedienungsmodell.

Wie die Verantwortung zwischen KMU und Treuhandbüro konkret verteilt ist, regelt das vereinbarte Mandat, nicht die eingesetzte Software. Das gilt besonders für Datenschutz und die fachliche Kontrolle der erfassten Daten: Diese Punkte solltest du unabhängig von der Softwarewahl mit deinem Treuhandbüro klären.

Dieser Artikel bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Treuhandberatung. Für deine konkrete Situation wende dich an dein Treuhandbüro oder die zuständige kantonale Steuerverwaltung.

Häufige Fragen

Braucht jedes KMU einen Treuhänder?

Nein, eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht. Unabhängig davon gilt: Als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft bist du erst ab CHF 500'000 Jahresumsatz zur ordentlichen Buchführung verpflichtet, AG und GmbH unabhängig vom Umsatz. Ob du diese Pflicht mit oder ohne Treuhandbüro erfüllst, bleibt deine Entscheidung.

Kann ich meine Buchhaltung selbst machen?

Einen relevanten Teil davon ja, etwa Rechnungsstellung, Belegerfassung und Bankabgleich. Vorausgesetzt sind klare Prozesse, eine passende Software und ein Grundverständnis der Buchhaltung. Bei Jahresabschluss oder Steuern lohnt sich meist fachliche Unterstützung.

Kann mein Treuhandbüro nur den Jahresabschluss machen?

Ja. Du kannst die laufende Buchhaltung selbst führen und dein Treuhandbüro beispielsweise für periodische Kontrollen, den Jahresabschluss und die Steuerdeklaration beiziehen. Welche Aufgaben konkret übernommen werden, vereinbarst du individuell mit deinem Treuhandbüro.

Was kostet ein Treuhänder?

Das hängt stark vom Umfang des Mandats, der Branche und der Komplexität deiner Buchhaltung ab. Verlässliche Angaben erhältst du direkt von Treuhandbüros in deiner Region, eine pauschale Zahl gibt es nicht.

Welche Unterlagen braucht mein Treuhandbüro von mir?

Das ist je nach Mandat unterschiedlich, umfasst aber typischerweise Belege, Bankauszüge, Lohnunterlagen bei Mitarbeitenden sowie relevante Verträge. Am effizientesten ist es, wenn diese Unterlagen laufend und strukturiert erfasst werden, statt sie einmal jährlich zusammenzusuchen.

Wie kann ich mit meinem Treuhandbüro digital zusammenarbeiten?

Am einfachsten, wenn ihr auf derselben digitalen Grundlage arbeitet, zum Beispiel indem du deinem Treuhandbüro Zugriff auf dein KLARA-Mandat gibst.