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Überstunden bei Mitarbeitenden – was ist erlaubt?

04.04.2019
Lesezeit: 5 min

Immer wieder berichten Medien über gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und -nehmern aufgrund von Streitigkeiten rund um Überstunden. Es liegt auf der Hand, dass dies Geschäftsführern von KMU einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Doch keine Sorge – wir erklären dir hier, was du rund um Überstunden und Überzeit beachten musst.

In Thomas Schumachers Handwerksunternehmen herrscht aktuell Hochbetrieb, sodass seine drei Mitarbeitenden regelmässig etwas länger im Geschäft bleiben müssen. Noch nie mit dieser Situation in Kontakt gekommen, macht sich Thomas Gedanken, welche gesetzlichen Regeln es dazu gibt.

Bei seiner Internetrecherche findet Thomas heraus, dass Angestellte zu Überstunden verpflichtet sind – wenn diese nötig sind. Denn einfach so können Thomas oder du als Arbeitgeber keine Überstunden anordnen. Das Obligationenrecht (OR) listet folgende Voraussetzungen auf:

  • Überstunden müssen notwendig sein, beispielsweise wenn eine Frist existiert, die eingehalten werden muss, oder zu viel Arbeit ansteht. Diese Voraussetzung gilt nur als erfüllt, wenn du die Überstunden nicht durch bessere Organisation oder Einbindung vorhandener Hilfskräfte hättest vermeiden können.
  • Deine Mitarbeitenden dürfen durch die Überstunden weder körperlich noch psychisch überlastet werden.
  • Die Anforderungen deines Unternehmens sind zumutbar. Das ist jeweils stark branchen- und situationsabhängig.
  • Das Arbeitsgesetz (ArG) muss jederzeit eingehalten werden. Dazu gehören insbesondere die maximale Wochenarbeitszeit und die erforderliche Ruhezeit.

Bevor wir das Thema weiter aufrollen, muss ein wichtiger Unterschied geklärt werden – nämlich jener zwischen Überzeit und Überstunden.

Überzeit und Überstunden – gibt es einen Unterschied?

Überstunden weisen deine Mitarbeitenden auf, wenn ihr Arbeitseinsatz die im Vertrag festgelegte Arbeitszeit übersteigt. Von Überzeit hingegen sprechen wir, wenn die gesetzliche Höchstarbeitszeit gemäss Arbeitsgesetz überschritten wird. In industriellen Betrieben, für Büropersonal, technische und andere Angestellte sowie Verkaufspersonal in Grossbetrieben des Detailhandels beträgt diese maximal 45 Stunden pro Woche. In den restlichen Betrieben liegt sie bei 50 Stunden.

Wichtig zu wissen: Alles, was im Arbeitsgesetz niedergeschrieben ist, also auch die Überzeit, gehört zum öffentlichen Recht und kann deshalb nicht vertraglich anders geregelt werden. Überstunden hingegen sind im OR festgelegt und fallen somit in den privatrechtlichen Bereich.

 

Tipp: Wie es für dich als Geschäftsführer aussieht? In einer Kaderstellung wird die Arbeitszeit meist nicht nach Stunden definiert, sondern bereits im Lohn verrechnet. Es wird davon ausgegangen, dass zusätzliche Leistungen durch den höheren Lohn abgegolten werden. Das Arbeitsgesetz gilt hier übrigens nicht, weshalb Geschäftsführer keine Überzeit arbeiten können. 

Vertraglicher Spielraum

Gemäss Gesetz sind geleistete Überstunden allgemein entschädigungs- und zuschlagspflichtig. Allerdings können Entschädigungen für Überstundenarbeit in einem schriftlichen Vertrag von Arbeitgeber und -nehmer individuell vereinbart oder sogar ausgeschlossen werden. Dies gilt nicht für die Überzeit.

Nach der turbulenten Zeit stellt sich für Thomas die Frage, inwiefern seine Angestellten nun zu entgelten sind. Da die Überstunden von ihm angeordnet wurden und im Vertrag nichts anderes vereinbart wurde, ist eine Abgeltung zwingend. Das gilt aber auch, wenn die zusätzlichen Stunden vom Arbeitnehmer selbst als notwendig erachtet, vom Arbeitgeber aber nicht explizit gefordert wurden. Deine Mitarbeitenden sollten dich in diesem Fall jedoch darüber informieren bzw. sich die Überstunden bewilligen lassen.

Übrigens gelten Überstunden automatisch als angeordnet und somit entschädigungspflichtig, wenn du als Arbeitgeber davon wusstest (oder hättest wissen müssen) und nicht interveniert hast.

Was kosten dich Überstunden?

Allgemein erfolgt eine finanzielle Entschädigung wie der vereinbarte Lohn plus Zuschlag von mindestens 25%, wenn nicht anders vertraglich festgelegt. Jedoch möchte Thomas mit seinem Kleinbetrieb allfällige Lohnmehrkosten möglichst tief halten. Deshalb gewährt er seinen Mitarbeitenden lieber zusätzliche Freitage zur Kompensation der geleisteten Überstunden. Damit müssen diese jedoch einverstanden sein.

Ein Branchenkollege von Thomas hat darum bei der vertraglichen Regelung der Überstunden festgelegt, dass er entscheiden kann, ob diese kompensiert oder ausbezahlt werden. So kann er bei rückläufiger Beschäftigungslage problemlos Freitage anordnen. Wenn hingegen viel läuft und er kaum zusätzliche freie Tage gewähren kann, wählt er die direkte Auszahlung. Diese kann durch den Vertrag auch ohne Zuschlag erfolgen.

Klare Fronten schaffen

Thomas Kollege empfiehlt ihm zudem, einen Zeitraum festzulegen, innerhalb dem die geleisteten Überstunden kompensiert werden müssen. Grundsätzlich verjähren Lohnforderungen bzw. Forderungen aus Überstunden nach fünf Jahren. Ausufernde Überstundensaldi werden aber dann problematisch, wenn ein Arbeitnehmer ausscheidet. Lege also mit deinen Mitarbeitenden fest, bis wann Mehrstunden, aber auch Minusstunden abgeglichen werden müssen.

Allgemein müssen deine Angestellten ihre geleisteten Überstunden nachweisen. Falls sie freiwillig verrichtet wurden, muss zudem die betriebliche Notwendigkeit aufgezeigt werden. Damit keine Missverständnisse entstehen, kannst du vertraglich festlegen, in welcher Form und bis wann deine Mitarbeitenden dich über ihre freiwilligen Überstunden informieren sollen und ab wann diese anerkannt werden, z. B. mit einem schriftlichen Visum. Natürlich befreit dich dieser Umstand als Arbeitgeber nicht davon, einen Überblick über die Arbeitszeit deiner Mitarbeitenden zu behalten. Denn du bist dazu verpflichtet, eine Dokumentation über deren Arbeitszeit und somit auch deren Überstunden zu führen. Diese müssen den Vollzugsbehörden im Rahmen von Kontrollen jederzeit angegeben werden können.

Zusammengefasst kannst du mit guten vertraglichen Regelungen allfälligen Uneinigkeiten vorbeugen und klare Voraussetzungen schaffen.

 

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