KLARA Update

Ich hätte gerne ein Arbeitszeugnis

Michael Suter Michael Suter, 23.02.18 12:13

Ist dir diese Aufforderung bekannt? Ein Arbeitszeugnis ist wichtiger Bestandteil des Berufslebens deiner Arbeitnehmenden. Anspruch auf ein faires Arbeitszeugnis besteht jederzeit, beispielsweise in Form eines Zwischenzeugnisses. Sprich: Dieses Thema kann dir das ganze Jahr über begegnen. Wir verraten dir, wie du ein Arbeitszeugnis fair und – für beide Seiten - innert nützlicher Frist erstellst.

Die rechtlichen Anforderungen an ein Arbeitszeugnis sind Bestandteil des Arbeitsrechts und sind im Obligationenrecht (OR) geregelt. Wichtig zu wissen: Arbeitnehmende können jederzeit ein Zeugnis in deinem Unternehmen einfordern. Es ist deine Pflicht, diesem Wunsch nachzukommen. Und übrigens: Der Bedarf für ein Arbeitszeugnis bedeutet nicht zwingend das Ende eines Arbeitsverhältnisses. Es kann in vielen anderen Situationen eingefordert werden. Unter anderem als:

  • Zwischenzeugnis, z.B. bei Funktions- oder Abteilungswechseln
  • Arbeitsbestätigung, z.B. bei Aushilfsarbeitsverhältnissen oder als Bestätigung für externe Stellen
  • Referenzangabe, z.B. bei allgemeinen Auskünften oder als Unterstützung für Anliegen der Arbeitnehmenden 

Zwingende Bestandteile eines Arbeitszeugnisses sind die Personalien des Arbeitnehmenden, seine Stellung und Funktion in deinem Unternehmen sowie sein Verhalten und seine Leistung.

Wie sagt der Berner so schön? «Nid grad dri schiesse!» Gerade bezüglich Beurteilung des Verhaltens und der Leistung gibt es einiges zu beachten. Ganz wichtig: Ein Arbeitszeugnis soll einen Gesamteindruck vermitteln. Das bedeutet, dass einmalige oder seltene Vorkommnisse nichts darin zu suchen haben. Ein Beispiel: Hat jemand innerhalb eines Jahres zweimal verschlafen, dabei aber keine wichtigen Termine verpasst, schreibe nicht, dass er oder sie zu Unpünktlichkeit neigt. Auch wenn ihr einmal nicht einer Meinung wart und euch dies lautstark mitgeteilt habt, muss dies keine signifikante Schwäche deines Arbeitnehmenden bedeuten. Von einer signifikanten Schwäche wird ab 20% - 30% Vorkommen gesprochen. Dies gilt für Leistung UND Verhalten.

 

Faire Zeugnisse sprechen auch für den Arbeitgeber

Häufig ist im Zusammenhang mit Arbeitszeugnissen von codierten Aussagen die Rede. Eine codierte Aussage kann zum Beispiel wie folgt lauten: «Frau/Herr Meier war stets bemüht, dass […].» Das klingt doch nicht schlecht, oder? In Tat und Wahrheit wünscht sich niemand so eine Aussage in seinem Arbeitszeugnis. Denn für den potentiellen nächsten Arbeitgeber bedeutet dies, dass Frau/Herr Meier nicht überzeugt hat. Bemüht ja, erfüllt nein.

Codierte Aussagen sind nicht legitim. Fang also am besten gar nicht damit an. Existieren jedoch effektiv Schwachstellen, musst du diese ehrlich dokumentieren.

Hier empfehlen wir, auf die Brückentechnik zurückzugreifen: Erwähne zuerst die positiven Aspekte. Diese können fachlicher Natur oder Verhaltensaspekte sein. Gibt es negative Punkte, werden diese im Anschluss daran ehrlich, aber mit relativierenden Formulierungen aufgezählt. Wichtig dabei ist, dass am Schluss ein Lösungsweg aufgezeigt wird. Sozusagen als «Brücke», um in die Zukunft zu marschieren.

Es kommt auf die Formulierung an: «Frau/Herr Meier hat die in sie/ihn gestellten Erwartungen betreffend Auftragsverarbeitung mehr als erfüllt. Ihre/seine freundliche Art im Umgang half ihr/ihm, bei ihren/seinen Kollegen beliebt zu sein. Auf den Baustellen war das Wissen betreffend Dilatationsfugen, welche notwendig sind, um Spannungsrissen vorzubeugen, noch nicht immer auf dem neuesten Stand. Dessen ist sie/er sich bewusst und ist gewillt, daran zu arbeiten. Wir empfehlen einen Wiederholungskurs». So könnte eine entsprechende Formulierung aussehen.

Die Aussage «noch nicht immer» ist ganz klar eine relativierende Formulierung eines negativen Aspekts. Aber: Der Lösungsweg folgt sozusagen auf dem Fuss. Die Person ist sich dessen bewusst und will proaktiv auf das Problem zugehen.

Ganz wichtig dabei: Natürlich kann es bei offener Kommunikation und negativen Wertungen im Arbeitszeugnis zu unangenehmen Situationen kommen. Aber bedenke, dass dir der potentiell nächste Arbeitgeber dafür dankbar sein wird und eine ehrliche, offene Kommunikation deiner Unternehmung gut steht.

 

KLARA-Tipp: Ein Arbeitszeugnis zu verfassen ist aufwändig und zeitintensiv und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wir haben dir als Download drei Muster vorbereitet und hoffen, dass wir dir damit etwas Zeit sparen können.

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